| Atmosphäreneffekt, Klimabedingung - und wie der Mensch durch seine Wirtschaftstätigkeit das Klima auf der Erde mitgestaltet |
| Eine sehr exotische Atmosphäre im Sonnensystem: Der Saturnmond Titan (in der Fassung des Kapitels 8.6 der 2. Auflage des Buches) |
|
Als Ergänzung sei ein kurzer
Abstecher zu einer sehr exotischen Atmosphäre in unserem Sonnensystem
erlaubt, zu der des Saturnmondes Titan. Mit der ESA-Landungskapsel Huygens im
Rahmen der NASA-Mission Cassini im Jahr 2004 ist es möglich, sich ein genaueres
Bild von der Meteorologie in der Atmosphäre des Titans zu verschaffen. Die Atmosphäre besteht zu
etwa 98,4 % aus Stickstoff (so viel als einziger Himmelskörper in unserem
Sonnensystem neben der Erde), daneben vor allem aus Methan, weiteren Kohlenwasserstoffen
und Argon. Es gibt in ihr Wolken aus Methan, aus denen es auch regnet. Die Oberfläche
des Titans verfügt über Seen und Flüsse aus Methan und anderen
Kohlenwasserstoffen; von der Oberfläche verdunstet Methan. Daraus bildet sich
ein Flüssigkeitskreislauf aus Methan, der in etwa analog zum irdischen Wasserkreislauf
funktioniert. Die Oberflächentemperatur des
Titans liegt bei etwa 94 K. Es herrscht an der Oberfläche ein Druck von etwa
1467 hPa. In der Troposphäre, die zirka 44 km hoch ist, bildet sich eine
annähernd lineare „pseudo“-adiabatische Temperatursenkungsrate von ungefähr
0,5 K km-1 aus [11]. Die „Feuchte“ wird durch das Methan
bewerkstelligt. In der Stratosphäre steigt
die Temperatur wieder an. Die Solarkonstante am Ort der
Saturnbahn liegt annähernd bei 15 W m-2. Die Albedo des Titans
beträgt etwa 0,22. Daraus ergibt sich – mit dem bekannten geometrischen Faktor
von ¼ − eine solare Zustrahlung von etwa 3 W m-2 auf den
Saturnmond. Nimmt man vereinfachend auch ein Strahlungsgleichgewicht an, dann
muss das Klimasystem Titan/Atmosphäre im Langzeitmittel wieder etwa 3 W m-2
abstrahlen. Eine effektive Strahlungsgleichgewichtstemperatur von nahezu 85
K, die sich in einer Höhe von ungefähr 18 km über der Oberfläche ausbildet,
könnte eine solche Wärmestrahlung hervorrufen. Nach diesen Überlegungen beträgt der atmosphärische Temperatureffekt in der Titan-Troposphäre etwa 0,5 K km-1 ∙ 18 km = 9 K (wie auch mit 94 K – 85 K = 9 K). Mit idealer
Gasgleichung, hydrostatischer Grundgleichung und adiabatischen
Verhältnissen für eine „trockene“ Stickstoff-Atmosphär erhält man eine
errechnete trocken-adiabatische Temperatursenkungsrate von etwa 1,3 K km-1.
Dabei wurden angesetzt: M – Molmasse
Stickstoff (= 0,028 kg mol-1); g
– Gravitationskonstante an Oberfläche (= 1,358 m s-2); k − Adiabatenexponent
(= 1,4). Das gleiche Ergebnis erhält man mit g/cp (mit cp = 1,044 J/kg K). Sie korrespondiert
mit der oben genannten „pseudo“-adiabatischen von etwa 0,5 K km-1.
*offenbar kann auch ein
Klimasystem aus flüssigem und gasförmigem Methan – anstelle von
flüssigem/gasförmigem Wasser – existieren *woher stammen Methan und
andere Kohlenwasserstoffe auf dem Titan; es ist wohl kaum denkbar, dass sie
fossilen Ursprungs sind (das könnte auch für die Einschätzung der Erdgasvorräte
der Erde bedeutungsvoll sein) *es ist nicht von vornherein
auszuschließen, dass sich in einem Klimasystem von flüssigem/gasförmigem
Methan und anderen Kohlenwasserstoffen einfache Lebensformen oder Vorstufen
dazu herausbilden können (die Energiegewinnung könnte – statt Photosynthese –
aus einer Reaktion Ethin/Wasserstoff erfolgen) – und das alles weitab der habitablen
Zone im Planetensystem. |
| © by Wolfgang Brune 2010 |