Kein Klimakiller CO2 - dafür jedoch Wasser als irdischer Klimagestalter
Wolfgang Brune

Lassen Sie uns endlich das CO2 als Klimakiller vergessen - erinnern wir uns stattdessen des Wassers als irdischen Klimagestalter!

Die sogenannte Klimasensitivität des CO2 bezüglich der Globaltemperatur der Erdoberfläche beträgt etwa 1 K. Nur wenn man eine positive Rückkopplung durch Wasser in der Atmosphäre hinzurechnet, kommt man auf die vom IPCC beanspruchte Größenordnung von etwa 5 K. CO2 allein vermag praktisch nichts. Warum dann nicht gleich das Wasser in den Mittelpunkt der Untersuchungen stellen? Es reagiert empfindlich auf Temperaturveränderungen, vor allem oder ausschließlich auf die der Sonne. Betrachtet man die Warmzeit-Kaltzeit-Folge des Eiszeitalters, dann stellt man eine Temperaturdifferenz global von etwa 11 K fest. Und diese stammt nicht vom CO2, da sich die Konzentration des Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre jeweils erst einige Jahrhunderte nach der Veränderung der Temperatur einstellte - als Folge der zu- oder abnehmenden Meerwasserentgasung. 11 K klimatische Temperaturveränderung durch natürliche Vorgänge, ganz ohne den Menschen, ganz ohne CO2, nur durch physikalische Vorgänge um das Wasser. 

Zwischen dem CO2 und der Globaltemperatur gibt es keine substantielle Ursache-Wirkungs-Beziehung. Das Eiszeitalter mit seinen periodischen Klimapendelungen weist mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass der sich verändernde CO2-Gehalt der Atmosphäre  und die mittlere Globaltemperatur unter natürlichen Bedingungen auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen sind: die Temperatur der obersten Meeresschichten auf Grund pendelnder Sonneneinstrahlung. Das Eiszeitalter erweist sich damit als Schlüssel zum Verständnis der Klimaproblematik der Erde. 
Ohne jeglichen menschlichen Einfluss pendelte das Klima im Eiszeitalter regelmäßig zwischen einem mittleren "Kaltzustand" (Globaltemperatur ca. 279 K) und einem mittleren "Warmzustand" (Globaltemperatur ca. 290 K) hin und her. Auslöser war in jedem Fall die Sonne (ob nach den Milanković-Zyklen oder auf Grund einer inneren Periodizität der Sonne, ist gleichgültig); die Klimawirkung der Sonne wurde auf der Erde infolge der physikalischen Eigenschaften des Wassers (Vorkommen in allen drei Aggregatzuständen und deren Verwandlung ineinander; hohe Wärmespeicherkapazität), gewissermaßen in zeitlicher Nachwirkung, verstärkt. Der "Kaltzustand" zeichnet sich, neben der Globaltemperatur, durch einen geringen Wassergehalt der Atmosphäre (meine Abschätzung: 6 000 km³), einen sehr geringen mittleren Bewölkungsgrad (meine Abschätzung: 27 %) und einen sehr niedrigen Meeresspiegel (mehr als 100 m unter heute) aus. Im Gegensatz dazu der "Warmzustand": hoher Wassergehalt (meine Abschätzung: 16 000 km³), hoher Bewölkungsgrad (meine Abschätzung: 72 %), sehr hoher Meeresspiegel (mindestens 10 m über heute). Vor etwa 10 000 Jahren gab es vermutlich den Abbruch der Warm-Kalt-Folge des Eiszeitalters (wäre das nicht der Fall, würden wir heute ohnehin in eine neue Kaltzeit abdriften und brauchten uns um eine globale Erwärmung keine Gedanken zu machen). Der einzige "Faktor", der prinzipiell in die natürliche Klima-Folge einzugreifen in der Lage gewesen wäre, war der Mensch: zuerst durch die weltweite, anhaltende Brandrodung der Wälder und eine wachsende Holz-Energiewirtschaft; später dann durch die Industrialisierung mit ihrer starken Nutzung fossiler Energierohstoffe. Der Mensch hat damit dafür gesorgt, dass ein neuer Klimazustand, der heutige "Normalzustand", eingetreten ist: unterhalb der "Warmzustände" und deutlich oberhalb der "Kaltzustände" des Eiszeitalters. Er zeichnet sich durch folgende Haupt-Charakteristiken aus: Globaltemperatur 288 K, mittlerer Wassergehalt von 13 000 km³, mittlerer Bewölkungsgrad von 60 %, heutiger moderater Meeresspiegel.
Auffällig ist an der Analyse der natürlichen Eiszeitzustände, dass geringer Wassergehalt der Atmosphäre und geringer Bewölkungsgrad keineswegs bedeuten, dass die Globaltemperatur etwa stiege bzw. umgekehrt, dass hoher Wassergehalt und hoher Bewölkungsgrad eine Abkühlung (infolge geringerer Sonneneinstrahlung) signalisierte. Das Gegenteil ist der Fall. Wassergehalt und v. a. Wolken müssen hinsichtlich des Einflusses auf die Globaltemperatur zumindest als ambivalent gekennzeichnet werden (vgl. auch die heutige Analogie zu den Tropen bzw. den Polargebieten; Hamburger Wettermast: die IR-Gegenstrahlung sinkt signifikant, wenn der Himmel klar ist).  
Meine Schlussfolgerung aus dieser Betrachtung: Es gibt Übereinstimmung, dass CO2 nur marginal das Erdklima beeinflusst. Antrieb ist in jedem Fall die Sonne. Hinzu kommt als aktives irdisches Klimamedium das Wasser. Der Umstand, dass die Erdoberfläche über 70 % aus Ozeanen besteht, dass Wasser in allen drei Aggregatzuständen gleichzeitig vorkommt und diese sich ineinander umwan-deln, bewirkt eine "irdische" Nachwirkung der Pendelungen der Sonnenstrahlung. Wasser eröffnet dazu die Möglichkeit für den Menschen, aktiv in die Klimaprozesse einzugreifen und sich damit Entwicklungsbedingungen zu schaffen, die optimal sind. Diesen aktiven Eingriff haben bereits die Steinzeitmenschen begonnen, ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein.

Für die Einschätzung, ob unsere Steinzeit-Vorfahren überhaupt in der Lage gewesen sein könnten, das Erdklima zu beeinflussen und den Übergang in eine neue Kaltzeit zu verhindern, sollte man die Größenordnung der beteiligten Klimagrößen betrachten. Der natürliche Übergang von einer mittleren Warmzeit zu einer mittleren Kaltzeit (Temperaturänderung um 11 K) vollzog sich durchschnittlich in 90 000 Jahren: 11 K/90000 a = 0,00012 K/a. Ein sehr kleiner Wert. Die Wasserentzugsrate der Atmosphäre (Differenz: 10 000 km³), die durch nachlassende solar gesteuerte Verdunstung damit in Zusammenhang steht, beträgt in den genannten 90 000 Jahren:
10000 km³/90000 a = 0,11 km³/a. Ein ebenfalls sehr kleiner Wert, der nur durch die sehr lange Wirkungszeit zu der beachtlichen Klimaänderung führen konnte. Dieser müsste anthropogen kompensiert werden, wenn eben ein Menscheneinfluss wirksam geworden sein sollte. Dazu kurz gefasst eine Abschätzung des jährlichen anthropogenen Wassereintrags im Industriezeitalter (Beispiel: Jahr 2004): 31 km³/a. Das ist deutlich mehr als benötigt, wenn auch absolut klein. Man sollte jedoch bedenken, dass diese Menge völlig unabhängig davon, wie genau sonst die einzelnen Faktoren des Wasserkreislaufs der Erde bestimmt werden können, diesem Wasserkreislauf via Atmosphäre absolut hinzugefügt wird, da das mit der Verbrennung fossiler Energierohstoffe verbundene Wasser vorher vom Wasserkreislauf über Millionen Jahre lang ausgeschlossen war.
 
Nun zur Brandrodung und Holz-Energiewirtschaft. Dort beträgt  nach der gleichen Analyse wie von William F. Ruddiman (Plows, plagues & petroleum. How humans took control of climate. Princeton University Press, 2005. ISBN 978-0-691-12164-2), der allerdings nur den Kohlenstoff  betrachtet hat, die anthropogene Wasserzufuhrrate im Mittel nur 0,075 km³/a, also etwas weniger als erforderlich. Schlussfolgerung: Der neue anthropogen gesteuerte klimatische Gleichgewichtszustand muss unterhalb einer mittleren Warmzeit des Eiszeitalters liegen - und vermutlich hat auch noch die Absorptionsänderung der Landoberfläche der Erde infolge der Verwandlung der Waldflächen in Kulturflächen zum Klimaeffekt beigetragen. (Dabei gilt im Übrigen ein ähnliches Postulat wie bei den Wolken: Es gibt eine Ambivalenz hinsichtlich der Wärmewirkung auf die Landoberfläche - die Rodung von Wäldern kann sowohl wärmend wie auch kühlend wirken.)
 
Die Beziehungen zwischen Globaltemperatur, atmosphärischem Wassergehalt und Bewölkungsgrad habe ich in dem betreffenden Wertebereich als annähernd linear angenommen, was für eine grobe Abschätzung zulässig sein sollte.

(Wolfgang.Brune@t-online.de)

http://www.Wolfgang-Brune.eu/Klimakapriolen.html

http://www.Wolfgang-Brune.eu/Klimabuch2.html