Gemeinnützigkeit und Verantwortung  -

eine kritische Fragestellung 



Welche (moralische) Verantwortung tragen eigentlich Mitglieder und gewählte Gremien

gemeinnütziger Gesellschaften in Deutschland für gesellschafts-relevante Aussagen, die

in ihrem Namen der Öffentlichkeit gegenüber getroffen werden?

Oder ist es tatsächlich so, dass sie für nichts, was sie von sich geben, Verantwortung tragen?

Dann sollte dieser Umstand meines Erachtens auch beachtet werden, wenn sie von

öffentlichen Medien um Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen gebeten werden; diese

Stellungnahmen sind nicht belastbar.

Hier: die Mitglieder und Gremien der ehrwürdigen Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

Der sachliche Bezug: die Pressekonferenz der DPG am 22.1.1986 „Warnung vor der

drohenden Klimakatastrophe“.

Mein Anliegen war ein offener Brief an die Mitglieder der DPG zum Thema „Physik und

Klima“, der in der Mitgliederzeitschrift „Physik Journal“ veröffentlicht werden sollte.

Die Antwort des verantwortlichen Redakteurs am 12.1.2012: Eine Veröffentlichung Ihres

offenen Briefes kommt für uns schon aus formalen Gründen nicht in Frage…“

 

Hier nun der offene Brief im Wortlaut – aber auf den Inhalt kommt es nun vordergründig gar nicht mehr so an:

Physik und Klima

Liebe Mitglieder der DPG!

Es ist nunmehr 26 Jahre her, dass Ihre Gesellschaft am 22. Januar 1986 mit einer eindringlichen „Warnung vor der drohenden Klimakatastrophe“ an die Öffentlichkeit getreten ist. „Bedingt wird diese durch den weltweit rapide steigenden Gehalt der Luft an Kohlendioxid und einigen  weiteren Spurengasen…“. Bereits an diesem ersten Tag wurde das Problem unmissverständlich bezeichnet. Was da vor uns steht, ist eine Katastrophe und Schuld hat vor allem das Kohlenstoffdioxid. Noch im selben Jahr hat das Magazin DER SPIEGEL daraus ein Politikum kreiert, indem es im August in einer kühnen Vision den Kölner Dom in den Nordseefluten versinken lassen hat. Damit ist auch der außerordentliche Meeresspiegelanstieg klar als ein Anzeichen der Klimakatastrophe ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden.

Natürlich ist es mutig und ehrenvoll, vor drohenden Katastrophen zu warnen, wenn man derer durch seine wissenschaftliche Arbeit gewahr wird. Nun handelt es sich dabei allerdings letztlich nicht um einen akademischen Disput, den man bis zur Klärung austrägt, sondern um knallharte wirtschaftliche Fakten. Die Bekämpfung der Klimakatastrohe hat in den vergangenen Jahren bereits hunderte von Millionen gekostet, und vor uns stehen in den nächsten Jahrzehnten hunderte von Milliarden oder noch mehr an Ausgaben, die wirtschaftlich geschultert werden müssen. Nun, wenn es um die Rettung des Planeten vor einer Katastrophe geht, die so noch nie vor ihm stand, dann ist das Geld wohl gut angelegt. Aber wenn nicht? Wenn das hart erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt vieler Jahre mehr oder weniger sinnlos verpulvert würde? Wenn wegen falsch ausgegebenen Geldes viele Menschen verhungern müssten oder an tödlichen Krankheiten zugrunde gingen?

Derjenige, der sicherlich guten Gewissens vor einer drohenden Katastrophe gewarnt hat, steht aber nun auch in der unabänderlichen Pflicht, immer und immer wieder seinen geäußerten Standpunkt zu überprüfen und damit zwingend nachzuweisen, dass die von ihm benutzten Prämissen richtig gesetzt und daher die Ergebnisse tatsächlich so sind, wie vorausgesagt. Das bedeutet meines Erachtens heute für die DPG und ihre Mitglieder eine Bringeschuld, die ihr niemand abnehmen kann. Jeder Einzelne muss sich fragen oder fragen lassen, ob er alles getan hat, diese Pflicht zu erfüllen, das heißt, ob er aus seinen physikalischen Erkenntnissen und Erfahrungen mit ruhiger Stimme sagen kann: Ja, so ist es, so wahr mir Gott helfe.  

Physikalische Zweifel an der Voraussage gibt es eigentlich genügend; sie müssen gar nicht so weit hergeholt werden. Der Grundgedanke hinter dem Treibhauseffekt lautet: Der Erdboden strahlt seiner Temperatur gemäß im Mittel etwa 396 W/m² in die Atmosphäre, zum kleineren Teil auch direkt ins All. Der Teil, der in die Atmosphäre emittiert wird, wird dort teilweise von den IR-aktiven Gasen absorbiert, dann von diesen nach oben und nach unten wieder abgestrahlt. Was nach oben geht, entschwindet ins All – offenbar ist das dann weniger, als was der Boden abgestrahlt hatte. Der nach unten gerichtete Teil der atmosphärischen Abwärtsstrahlung erreicht auch wieder den Erdboden und wärmt ihn zusätzlich auf. So weit, so gut. Jedoch, gesetzt den Fall, es träte gar keine Boden­abstrahlung in die Atmosphäre ein: Weil der emittierte Teil, der im Wellenlängenbereich des IR-Strah­lungsfensters liegt, bei (global klarem Himmel) ungeschwächt direkt ins All abgestrahlt würde, und der Teil, der außerhalb des Wellenlängenbereichs des IR-Strahlungsfensters liegt, durch die entgegenkommende atmosphäri­schen Nach-unten-Strahlung, die etwa die gleiche Intensität auf­weist und denselben Wellenlängen­bereich betrifft, daran gehindert würde. Was nun? Es hieße nichts anderes, als dass von der Bodenstrahlung von 396 W/m² nur noch ein Betrag von 63 W/m² übrig bliebe und dieser auch noch bei klarem Himmel die Atmosphäre durcheilte, ohne in ihr absorbiert zu werden. Auf jeden Fall könnte dann weder CO2 noch ein anderes IR-aktives Gas Bodenstrahlung absorbieren und der so definierte Treibhauseffekt würde sich in nichts auflösen. Wie gesagt, gesetzt den Fall… Aber gedanklich durchspielen darf man doch so ein Szenario, zumal wenn sich die globale Bodenstrahlung nicht direkt der Messung erschließt und sie daher mehr oder weniger nur als eine Rechengröße auftritt.

Oder was wäre, wenn zum Beispiel Max Planck im Vorspann seiner Vorlesungen zur Theorie der Wärmestrahlung (Leipzig, 1923) nicht nur geschrieben hätte: „Ein Körper A von 100 °C emittiert gegen einen ihm gegenüber befindlichen Körper B von 0 °C genau die Wärmestrahlung, wie gegen einen gleichgroßen Körper B´ von 1000 °C, und wenn der Körper A von dem Körper B abkühlt, von dem Körper B´ erwärmt wird, so ist das nur eine Folge des Umstands, dass B schwächer, B´ aber stärker emittiert als A.“ Sondern wenn er ergänzend hinzugefügt hätte: Sofern die beiden gegen­einander gerichteten Wärmestrahlungen von genau gleicher Intensität sind, kann der Körper A vom Körper B nicht erwärmt (und auch nicht abgekühlt) werden – und wenn Planck ausdrücklich gemeint hätte, man könne die Erdoberfläche und die untere Atmosphärenschicht als eben solche beiden Emitter A und B interpretieren. Ja, was wäre wenn…

Ergibt das Nachdenken über die eigene Hypothese, es war alles richtig, was man als Schlussfolgerung vorgelegt hat, erhält man ein (wenigstens zeitweiliges) Gefühl der Gewissheit, und das, auch wenn man der Öffentlichkeit schier unglaubliche Lasten aufbürden muss. Wenn nicht, dann sollte man es auch als mutig und verantwortungsbewusst empfinden, den unausweichlichen Rückzug anzutreten. Das ist die Situation, in der ich Sie heute als Mitglieder der DPG sehe. Überprüfen Sie wieder und wieder Ihren damals geäußerten Standpunkt. Das kann Ihnen keiner abnehmen.

Liebe Mitglieder der DPG, tragen Sie durch Ihre Gedanken und Ihre Stimme, mit der Überzeugungs­kraft der Physik, dazu bei, dass künftig mehr Klarheit in dieser Schicksalsfrage herrscht und dass der Welt solche wehtuenden Peinlichkeiten wie am Ende des Jahres 2011 erspart bleiben, als tausende Klimajünger im südafrikanischen Durban wochenlang den Luxus-Tourismus pflegten, derweil zur gleichen Zeit am Horn von Afrika Kinder elend an Hunger und Krankheit eingingen.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Wolfgang Brune, Leipzig

     

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