|
Zum Problem
der atmosphärischen Gegenstrahlung |
|
Zu den Grundlagen der
traditionellen Klimatologie
gehört das Postulat einer Gegenstrahlung [1] in Höhe
von 324 W/m², die aus der
Atmosphäre in Richtung Erdoberfläche strahlt und die
mathematisch benötigt
wird, um an der Erdoberfläche die gewünschte
Strahlungsgleichgewichtstemperatur
von etwa 287 K konstruieren zu können. Damit wird folglich im
Strahlungsgleichgewicht
die Nettoabstrahlung der Erdoberfläche in Höhe von
etwa 66 W/m²
gebildet: als Differenz aus der Summe der originären
Sonneneinstrahlung von 168 W/m², abzüglich des
fühlbaren und latenten Wärmestroms
vom Boden in die Atmosphäre von 102
W/m², und
der postulierten Gegenstrahlung von 324 W/m²
einerseits und der Gegenstrahlung von 324
W/m² andererseits.
Die Gesamtabstrahlung von 390 W/m²
der
Erdoberfläche kann im idealen Fall ungefähr einem
Planck-Strahler der
Temperatur 287…288 K
zugeordnet werden. Um den Sachverhalt der
Nettostrahlung eines schwarzen
Körpers als Differenz der eigenen Strahlung und einer
Gegenstrahlung zu
verdeutlichen, seien in Bild 1 die diesbezüglichen
Überlegungen von Max Planck
wiedergegeben:
Bild 1: Ein
ebener Planck-Strahler A mit
der Temperatur 100 °C befindet sich einem
gleichgroßen, gleichgestalteten
Planck-Strahler B gegenüber, der jedoch nacheinander
unterschiedliche
Temperaturen aufweist Ergänzend zu Planck ist
noch ein Körper B´´ angenommen
worden, der die gleiche Temperatur wie A hat, nämlich 100
°C. Die originäre Strahlung des Körpers A ist immer gleich; sie wird ausschließlich durch seine Temperatur bestimmt (Stefan-Boltzmann):
T –
Temperatur Bei einer Temperatur von 373 K (=
100 °C) ergibt das
eine Strahlungsleistung von 1098
W/m². Im ersten Fall
hat der gegenüberliegende Körper eine Temperatur von
273 K (= 0 °C). Das entspricht
einer Strahlungsleistung von 315
W/m². Nach
Planck wird der Körper A von der Gegenstrahlung des
Körpers B abgekühlt. Die
Nettostrahlung des Körpers A beträgt noch 1098
W/m² –
315 W/m² = 783 W/m²;
die neue
Oberflächentemperatur des Körpers A entspricht dem
sich einstellenden
Strahlungsgleichgewicht, liegt folglich unter der bisherigen
Temperatur von
100 °C. Im zweiten Fall
hat der gegenüberliegende Körper eine Temperatur von
1273 K (= 1000 °C), was
einer Strahlungsleistung von etwa 149
kW/m² entspricht.
Nach Planck wird der Körper A folgerichtig vom Körper
B´ aufgewärmt. Es gibt
keine positive Nettostrahlung des Körpers A. Im hinzugefügten dritten
Fall
hat der gegenüberliegende Körper die gleiche
Temperatur wie der strahlende Körper A. Der
Körper A wird also weder
aufgewärmt noch abgekühlt. Seine Nettostrahlung ist
Null. Er wird sozusagen auf
Temperatur gehalten. Selbstverständlich
herrscht aber an der
Erdoberfläche ein Energiegleichgewicht.
Als Input fungiert die Sonneneinstrahlung.
Als Outputs fungieren die Nettostrahlung sowie die Ströme von
fühlbarer und latenter
Wärme. Es kann daher auch nicht
verwundern, dass
beispielsweise eine Energiebilanz der NASA [3] oder auch eine Arbeit
von Ozawa
et al. [4] explizit keine Gegenstrahlung ausweisen. Stattdessen wird
nur mit
der eingängigen Größe Nettostrahlung der
Erdoberfläche gearbeitet. Dabei werden
automatisch irgendwelche relevanten, nach
unten gerichteten
Wärmestrahlungsbeträge berücksichtigt. Die
kann es tatsächlich geben, so zum
Beispiel eine möglicherweise an Wolken reflektierte
Wärmestrahlung des Erdbodens.
Immerhin sind Wolken Wasserkörper. Wenn es sich physikalisch
um Reflexion
handelt, dann hat die reflektierte Strahlung die gleichen
Strahlungseigenschaften wie die ursprünglich vom Boden
ausgesandte Strahlung.
Die Nettostrahlung des Bodens verringert sich; der Boden wird lokal und
zeitweilig
wärmer gehalten als ohne diese Reflexion. Die Größe
Nettostrahlung lässt beliebige weitere
Gegenstrahlungsanteile unterschiedlicher Temperatur zu, die von
Strahlern aus
unterschiedlichen Höhen stammen können. Global
gesehen, kühlen sie die
Erdoberfläche. Anders als in einem Strahlungsgleichgewicht,
schlagen sie sich
bei der Erdoberfläche jedoch nicht nur in der Strahlung,
sondern auch in deren
Verhältnis zu den fühlbaren und latenten
Wärmeströmen aus der Oberfläche
nieder.
Insofern liefern Pyrgeometermessungen (die reine
Strahlungsmessungen sind) –
als Differenzmessungen zwischen „Von unten-„ und
„Von oben“-Strahlung – nur
dann verwertbare Ergebnisse, wenn sie zur gleichen Zeit und am gleichen
Ort
durch die Messung der stofflich getragenen
Wärmeströme begleitet werden. In
einem engmaschigen Netz über die gesamte
Erdoberfläche und in genügender
Häufigkeit sollten solche kombinierten Messungen die
üblicherweise angesetzten
globalen Werte der Energiebilanz ausweisen können. Im Übrigen ist zu
vermerken, dass jedwede
Gegenstrahlung die globale Energiebilanz des Systems
Erde/Atmosphäre nicht
verändern, insbesondere auch das Strahlungsgleichgewicht
zwischen Sonneneinstrahlung
und terrestrischer Ausstrahlung nicht stören kann. Durch die
Größe
Nettostrahlung ist gesichert, dass eine etwaig vorhandene
Gegenstrahlung durch
einen gleichen Betrag an zusätzlicher
Abstrahlungsleistung bzw. an
zusätzlicher fühlbarer und latenter
Wärmeleistung von der Erdoberfläche
mathematisch kompensiert wird, gleichgültig, wie
groß ein solcher Betrag auch
wäre. Auch aus diesem Grund ist die von der traditionellen
Klimatologie
angesetzte Gegenstrahlung von 324 W/m² nichts anderes als ein
mathematisches
Konstrukt, um wunschgemäß eine
Strahlungsgleichgewichtstemperatur von 287 K
an der Erdoberfläche zu konstruieren. Tatsächlich
wird jedoch diese Globaltemperatur
neben der Nettostrahlung eben auch durch die Ströme an
fühlbarer und latenter
Wärme charakterisiert. Die von der Erdoberfläche
ausgehende Strahlung ist
Bestandteil dieses Energiegleichgewichts, weil sie
sich – ebenso wie die
genannten stofflich getragenen Wärmeströme
– aus der absorbierten Wärme der
obersten Schichten des Erdkörpers speist. [1] Le Treut,
H.,
R. Somerville, U. Cubasch, Y. Ding, C. Mauritzen, A. Mokssit, T.
Peterson and
M. Prather, 2007: Historical Overview of Climate Change. In: Climate
Change
2007: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to
the Fourth
Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change.
[Solomon, S.,
D. Qin, M. Manning, Z. Chen, M. Marquis, K.B. Averyt, M. Tignor and
H.L. Miller
(eds.)] (Wolfgang.Brune@t-online.de) http://www.Wolfgang-Brune.eu/Klimakapriolen.html |